Wo startet man besser mit einer Reise durch die Hauptorte der 26 Kantone der Schweiz als in der Hauptstadt des Landes selbst, nämlich in Bern? Und passend, wenn Bern auch gleich noch der Heimkanton der Autorin ist.

Was ich bisher über Bern wusste
Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich trotz der Tatsache, dass ich schon zigmal in Bern war und sogar einmal während 3 Monaten dort gewohnt habe (unter der Brücke..In einem Haus zwar, aber trotzdem..), doch überhaupt noch nichts Spannendes über Bern zu berichten habe. Meine spärliche Kenntnis über Bern beschränkt sich auf den „Kindlifrässerbrunnen“, das Albert- Einstein- Haus, das Münster und dann auch noch auf das schöne Matte-quartier, welches regelmässig bei starken Regenfällen von Überschwemmungen heimgesucht wird, so dass alle Bewohner ihre Keller räumen müssen. Und ja, natürlich gibt es noch das Bundeshaus. Wobei ich mich allerdings nicht erinnern kann, dies einmal von innen gesehen zu haben. Soviel zu den Sehenswürdigkeiten. Zu kürzlich Erlebtem in Bern ist mir Folgendes in Erinnerung geblieben; letztes Mal als ich nach Bern fuhr war der Bahnhof zu grossen Teilen aufgrund einer Demo gesperrt und die ÖV fuhren nicht, so dass ich zu Fuss schon ein paar schöne Dinge in der Altstadt entdeckt habe und das Mal davor war ebenfalls ein grosser Teil des HB’s gesperrt aufgrund einer Bombendrohnung bei der Heilig-Geistkirche.. In der Hauptstadt ist halt immer was los..
Nun gut, höchste Zeit also, Bern mit all seinen wunderbaren Sehenswürdigkeiten, seiner weitreichenden Geschichte und den weltoffenen Bernern, seinen Ecken und Kanten, kennenzulernen und vielleicht das ein oder andere Überraschende und Unerwartete zu entdecken.. Die Reise durch die Schweiz beginnt nun also..
Ein Tag in Bern
Frühstück im Rosengarten von Bern
Es gibt ihn wirklich, den schönsten und besten Ort um eine Erkundungstour durch Bern zu starten; den Rosengarten Bern! Im wunderschön gelegenen Restaurant lässt sich mit fantastischem Blick über die Altstadt von Bern das „kleine Frühstück“ für CHF 13.50 geniessen. Nur so zur Info; besonders Klein ist es also nicht. dafür ist man aber satt und gut gerüstet für längere Strecken zu Fuss.
Noch vor den ersten Touristen erreiche ich mit dem Bus Nr. 10 in wenigen Minuten ab HB Bern den Rosengarten. Ein unscheinbarer Eingang gewährt einen ersten Blick in, man glaubt es kaum- einen Rosengarten! Toll, dass gerade Blühtezeit ist. Eine schöner und eindrucksvoller als die andere präsentieren sich die Rosen mit hochfliegenden Namen im sanften Morgenlicht. 
Um neun öffnet das Restaurant und ich gönne mir zur Vorbereitung auf den weiteren Tag das eben kleine Frühstück und geniesse diese erste Auszeit und den fantastischen Blick über die Altstadt von Bern.
Vom Rosengarten aus kann man gemütlich in ca. 30 Minuten zu Fuss durch die Altstadt retour zum HB laufen. Das mache ich natürlich. Vorbei gehts zuerst an der Albert Einstein Skulptur. Er hockt da schon einen ganze Weile und hat schon so einiges erlebt und mit vielen Touristen geplaudert und ein Selfie gemacht. Geduldig erträgt er auch meine Fotopause.
Der Bärengraben..
Das nächste Highlight (oder auch nicht, je nach Einstellung zu Tieren in Gefangenschaft) ist der berühmte Bärengraben. Dieser liegt direkt auf dem Weg kurz bevor man über die Nideggbrücke in die Altstadt gelangt. Man kann darüber streiten ob man den Bärengraben gut findet oder nicht. Ich bin grundsätzlich überhaupt kein Fan, allerdings muss man auch sagen, dass extrem viel für die Bären getan wurde und noch immer wird. Sie haben seit einigen Jahren ein „tiergerechtes“ Gehege oberhalb der Aare erhalten, mit Rückzugsmöglichkeiten und geschützt vor den vielen Schaulustigen. Deshalb bin ich erstaunt, die Bären heute trotzdem im Original-Bärengraben vorzufinden. Mit gemischten Gefühlen und einem latent schlechten Gewissen beobachte und fotografiere ich (ja, furchtbar, wie ein richtiger Touri halt) die Bären. Wie sich herausstellt habe ich tatsächlich „Glück“ und das eigentliche Gehege der Bären wird gerade sauber gemacht und Futter für den Tag versteckt. Glück deshalb, weil man die Bären sonst eher selten zu Gesicht bekommt und Glück auch, weil ein wirklich versierter und sehr engagierter Tierpfleger bei den Schaulustigen mittendrin ist und alles, was es rund um die Bären im Park zu wissen gibt gerne teilt und für Fragen zur Verfügung steht. Sehr spannend. Leider gibt es keine fixen Zeiten für dieses Happening, die Bären sollen nicht an bestimmte Zeiten gewöhnt werden. Alles rund um die Bären im Bärengraben gibt es hier zu lesen: Tierpark Bern



Danach schlendere ich gemütlich über die Nydeggbrücke durch die wunderbare Altstadt hindurch retour zum Bahnhof. Vor 11.00 Uhr und unter der Woche garantiert noch beinahe alleine.
Eine Stadtführung
Unbedingt machen! Es kann und wird nicht schaden. Vor allem, da es sich um die Hauptstadt der Schweiz handelt… Ich nehme also an einem geführten Stadtrundgang durch die Altstadt von Bern teil. Wirklich nicht das Dümmste. Und interessant obendrein! Es gibt verschiedene Anbieter, ich habe mich zum Starten mal für eine ganz klassische Version entschieden, angeboten von Bern.ch für CHF 20.- . Die Führung dauert ca. 1.5 bis 2 h. Hier geht’s zum Unesco Altstadtbummel
Etwas ängstlich stehe ich Mausbeinallein um 10.55 im Touricenter herum und befürchte schon, ich wäre die einzige. Aber nein, schlussendlich sind wir eine kunterbunte Mischung von 9 Personen, Herkunftsländer Schweiz und nahes und fernes Ausland (natürlich sind die obligatorischen Asiaten mit dabei ;-). Die Tour wird Deutsch und Englisch zeitgleich durchgeführt. Unsere Führerin macht die Tour nicht zum ersten Mal und führt gekonnt und motiviert durch die Geheimnisse der Berner Altstadt;
Wissenswertes (zumindest das, was mir geblieben ist):
- Nie, nie, niemals Wasser kaufen in Bern! Sondern seine eigene Trinkflasche mitbringen und an einem der über 100 Brunnen auffüllen. Die Brunnen waren die frühere Trinkwasserversorgung von Bern und haben Trinkwasserqualität
- Das Glasdach beim Bahnhof Bern ist ein Symbol für das räumliche Ende der Altstadt und für den Beginn des modernen Stadteils
- Im Bahnhof Bern befinden sich noch Originalstücke am Originalplatz der letzten der vormals 3 Stadtmauern von Bern (sie sind sogar beleuchtet und man stolpert fast darüber, aber natürlich habe ich sie noch nie auch nur eines Blickes gewürdigt, geschweige denn sie überhaupt wahrgenommen..
- Das Wasserspiel vor dem Bundeshaus besteht aus 26 Fontänen….. Und jede einzelne davon steht für einen Kanton (sie sind aber nicht fix zugeteilt, man kann sich seine Fontäne aussuchen 😉
- Bern hat heute rund 140’000 Einwohner. Es ist die 4 grösste Stadt der Schweiz nach Zürich, Basel und Genf
- Berns Altstadtgassen sind entgegen mittelalterlichem Brauch sehr weit. Dies, da Bern ursprünglich als Markstadt erbaut wurde und es Platz brauchte. Zudem war Bern immer gut geschützt gegen Invasoren dank der Aare.. Dazu mehr im folgenden Abschnitt Geschichte..
Und etwas Geschichte…
- 1191 (ja, keiner kann sich Zahlen merken, aber trotzdem) gründete Herzog Berchtold V. von Zähringen die Stadt Bern. Nicht, weil er dort wohnen wollte. Er hatte bereits eine Burg, aber leider keinen Marktplatz, welcher ihm neues Volk und Handelswaren sicherte. Also schickte er seine Reiter aus, ihm einen Platz zu suchen, der A) nicht zu weit weg von seinem Zuhause, B) nicht einnehmbar/respektive gut zu schützen und C) genügend Fläche biete, um einen neuen Marktplatz/Stadt zu gründen. Bern war perfekt. Eine kleine Halbinsel umgeben von einem fliessenden Gewässer (im Schnitt 25 km/h), breit und gross genug, um einem Markt entsprechend Platz zu bieten. Der heutige HB ist also nicht der Anfang der Altstadt, sondern das Ende. Wer weiteres über die Gründungsgeschichte wissen möchte, dem empfehle ich eine Stadtführung oder das Internet.
- Aber noch zum Name: Die Namensgebung beruht scheinbar auf einer Legende: Berchtold V. von Zähringen soll seinen Reitern befohlen haben; nennt mir das erste Tier, welches ihr auf der Jagd erlegt. Die neue Stadt soll dessen Namen tragen. Naja, und der Rest ist Geschichte.
Und wieso Bern 1848 zur Hauptstadt wurde..
- Mit dem Bau der Eisenbahn wurde die Schweiz plötzlich kleiner und die Distanzen weniger weit, so dass die Regierung, welche bis dahin nicht „sesshaft“ war und in den Landesteilen herumreiste, nun zentral stationiert werden sollte. Folgende Anforderungen wurden an eine allfällige Hauptstadt gestellt:
- Sie musste ziemlich zentral liegen
- Im Stadtzentrum sollte es noch genügend Platz haben, um Regierungsgebäude zu bauen
- Der Ort sollte sehr nahen/ respektive Anschluss an eine 2 Landessprache haben
Was man in Bern sonst noch tun kann
Vieles! Aber ich habe mich noch auf folgendes beschränkt;
- Für CHF 5.- ab aufs Münster. Über unzählige Treppen hoch gehts über eine steile Wendeltreppe hoch hinaus. Dabei eröffnen sich immer wieder spektakuläre Blicke über die Dächer der Stadt. Toll, wenn alle den richtigen Weg hochgehen, zum kreuzen ist die Treppe fast zu schmal. Mein Tipp: Unter der Woche zur Mittagszeit hat’s keine Leute. Ich war total alleine und hatte das Münster inkl. Aussicht für mich alleine! Und danach gemütlich Picknicken auf der Münsterplattform 🙂





Zu guter Letzt – Verlorengehen
Ich habe mir vorgenommen, auf meinen Touren durch die Städte jeweils einen Teil strukturiert, geplant oder geführt vorzugehen und mich den restlichen Tag einfach treiben lassen. Oder auch mal „Verloren-zugehen“ in den Winkeln und Weiten der Stadt. Was ich da noch so gefunden haben; Hier ein paar Impressionen davon:
Und mein nächste Ziel wird der Kanton Aargau mit Hauptort Aarau..