
Spontan entscheide ich mich heute für den Kanton Nidwalden mit Hauptort Stans und – weil es so nah ist und meine Schwester mit von der Partie- auch gleich noch für den Kanton Obwalden mit Hauptort Sarnen. Das passt, den beides sind Halbkantone und somit habe ich dann doch einen ganzen Kanton besucht 😉 Übrigens waren Ob- und Nidwalden früher noch eins und dieses Eins hiess Unterwalden. Und, die beiden Kantone mögen sich nicht wirklich.
Man merkt, diese beiden Kantone und Orte sind mir- im Gegensatz zu vielen anderen- nicht völlig fremd. Dies dank meiner Schwester Monika, die während rund 5 Jahren in der Zentralschweiz (oder auch Innerschweiz, ist beides ein und dasselbe) gewohnt hat. Also toll, wenn man eine so versierte Reiseleiterin dabei hat!
Kur zur Aufklärung: Zentralschweiz/ Innerschweiz umfasst folgende Kantone; Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug.
Gut, aber in diesem Blog geht es nun zuerst um Stans. Sarnen und der Kanton Obwalden kriegen einen separaten Blog.
GEDULD IST ALLES – DER WEG ZUM GIPFEL
Stans selber ist relativ klein und eines der Highlights von Stans ist das Stanserhorn. Deshalb lohnt sich ein Abstecher nach oben. Und da die Bahn auch gerade noch ihr 125jähriges Jubiläum feiert kommt man für CHF 12.50 hoch anstelle des normalen Preises von CHF 72.-. Einzige Bedingung; man muss vor 09.30 das dort sein und das Angebot ist nur gültig bis Ende Juni.
Tja, ich bin mir ja ziemlich sicher, dass mitten in der Woche nicht sooo viel los sein kann, aber falsch gedacht. Zum einen ist Freitag, und das bietet sich nun einmal an für ein verlängertes Wochenende und zum anderen habe ich meine Rechnung ohne die CH-Rentner gemacht. Die sind ja auch nicht blöd und lesen auch Zeitung. Und wollen eben auch aufs Stanserhorn. So treffen wir also morgens im ruhigen Stans auf einen riesigen Pulk Leute. Wir ziehen das Durchschnittsalter definitiv runter.

Die Betreiber der Bahn sind geübt und haben ein gutes System mit Abfahrtszeiten- Karten kreiert. So treffen wir also um 09.00 bei der Bahnstation ein und kriegen dann ein Ticket mit Abfahrtszeit um 10.30. Die Tickets sind so richtig schön Oldschool! 🙂 die härzigen kartonierten Dinger welche wir früher als Kinder noch gesammelt haben. Kein schnödes Papier das ruck zuck verknittert und verloren geht. Und was wir gelernt haben; Die Leute, die eigentlich Zeit haben sollten (also ich, meine Schwester und alle CH-Renter) haben nicht alle wirklich Zeit und insbesondere ein paar ältere Semester können sich so gaar nicht gedulden und finden es nicht so ganz ok, dass sie warten müssen… Naja, ich finde, für CHF 12.50 darf man nicht motzen. Obwohl wir Schweizer das halt gut können. Da muss man schon sagen; die noch wenigen Touristen wissen sich zu benehmen und halten die Klappe. Und – man kann die Zeit ja wunderbar für eine Stadt-Dorfbesichtigung nutzen. Zudem haben auch die Café-Betreiber im sonst eher ruhigen Örtchen alle was davon! Also eine Win- Win Situation. Leider sehen das nicht alle so, aber janu, Geduld ist so eine Sache.. Gut, ich bin abgeschweift.
So schlendern meine Schwester und ich also auf die Terrasse des Restaurants Engel, wo es nach der Meinung meiner Schwester das beste Cafe Latte Macchiato überhaupt gibt. Und da würde ich ihr sogar zustimmen. Gemäss Internet schauen wir von hier aus auf den wohl schönsten Dorfplatz der Schweiz.. Da hingegen sind Monika und ich uns nicht so sicher. So viele Dorplätze habe ich zwar noch nicht gesehen, aber ein paar davon waren also schon um einiges schöner.. Sorry Stans! Vielleicht liegts auch am eingerüsteten Gebäude das den Gesamteindruck etwas schwächt. Wer weiss.
In Stans gibt‘ s leider auch keine öffentlichen Dorf-Führungen, dafür hat Stans Tourismus einen sehr ansprechenden und härzigen „Selbsterkundungs-Prospekt“ erstellt. Geschichtlich – und was zu meinem Erstaunen viele Leute wissen- hat Stans vor allem das Winkelried Denkmal zu bieten. Hier muss ich wieder kurz zugeben, dass ich bis vor kurzem A)nicht wusste, wer Winkelried ist oder was er getan hat und B) auch nicht wusste, dass es ein Denkmal für sein Tun gibt. Geschweige denn, wo dieses steht.
Nun gut, was es in Stans so zu entdecken gibt;
DAS WINKELRIED- DENKMAL
Die Legende besagt; „Arnold Winkelried soll am 9. Juli 1386 bei der Schlacht von Sempach ein Bündel Lanzen der habsburgischen Ritter gepackt und, sich selbst aufspiessend, den Eidgenossen eine Bresche geöffnet haben.Sein Opfer soll der Schlüssel zum eidgenössischen Sieg gegen die Habsburger gewesen sein. Der Legende nach soll er vorher noch die Worte «Sorget für mein Weib und Kind» gesagt haben. (Quelle Wikipedia).
Mein Freund konnte sich dies merken wegen dem Sprichwort “ will den keiner der Winkelried sein?“ und meine Freundin meinte, es sei nicht ganz klar, ob er vielleicht auch gesagt habe: „welcher Idiot hat mich gestossen?!“
Nun gut, das Denkmal selber ist recht eindrücklich und zeigt sowohl den Feind unten, den Winkelried in der Mitte und seine Gefolgsleute, die dank ihm durch die Bresche brechen können. Gleichzeitig soll es auch eine Generationenabfolge darstellen.

DIE SCHMIEDGASSE- ODER AUCH die freie Republik Schmiedgasse
Dies ist eine alte Handwerksgasse. Und wer hier wohnt, gehört zum Volk der „freien Republik Schmiedgasse“. Ein Durchwandern lohnt sich und gemäss meiner Schwester finden hier immer tolle Feste und schöne Anlässe statt.



Und sonst so?
- Die Nidwaldner werden auch „Reissäckler“ genannt. Dies, weil sie das Säckchen für Reiseproviant in ihre Kantonstracht integrierten
- Die „Wisibärger“ stammen vom Wiesenberg, also von Nidwalden; Wiesenberger
- Das Murmeltier wird hier „Muigg“ genannt
- Älplermakaronen mit Apfelmuss sind hier besser als anderswo in der Schweiz
- Auf dem Werbeplakat „Stanserhorn“ steht Luzern. Sehr verwirrend, da wir ja im Kanton Nidwalden sind. Und das Stanserhorn auch. Die nette Dame bei der Kasse hilft weiter. Dies war bei Eröffnung des Stanserhorns vor 125 Jahren ein reiner Marketingzug. Kein Schwein kannte dazumal Stans. Luzern hingegen war ein Begriff. So machte man auf sich aufmerksam.

Das Stanserhorn – mit der Cabrio-Bahn auf den Gipfel
Es wurde nicht zu viel versprochen. Obschon das Wetter etwas „vernebelt“ ist, so lohnt sich die Fahrt alleweil! Schon die Fahrt nach oben ist spektakulär. Zuerst geht’s mit der Nostalgiebahn in ca. 5-10 Minuten vorbei an idyllischen Bauernhöfen zur Talstation der topmodernen Caprio- Bahn, einer absoluten Weltneuheit. Den diese Gondel hat ein Dach, auf welchem man quasi Open- Air nach oben fahren kann. Rausfallen gibt’s nicht und am lustigsten ist beim Passieren der Masten! 🙂 Der Ausblick einfach fantastisch!


Auf dem Gipfel
Oben angekommen laufe ich noch den 30minütigen Rundeweg, welcher auch am Gipfel, an Murmeltieren und natürlich mal wieder an mir selber vorbeiführt… 🙂 Bei gutem Wetter würde man die Alpen ebenfalls sehen. Ich erblicke ganz kurz zwar nur; Eiger, Mönch und Jungfrau! Ha! So soll’s sein. Der Rundweg ist nicht allzu streng und ist wunderschön. Hier würde sich ein riesiges Wanderweg- Netz erschliessen, vielleicht für mich dann aber beim nächsten Mal.
Zuerst gibt’s noch eine Stärkung im Bergrestaurant, eben die tollen Älplermakaronen mit wunderbarerm Ausblick auf die Bergwelt. Meine Schwester und ich stossen an auf den Kanton Nidwalden. Wunderschön. Und weiter geht’s nun nach Obwalden..
