„Entschleunigen“ im Tessin…. 😉
Eines gleich Vorweg; Bellinzona, DER Hauptort des Tessins, habe ich mir grösser und städtischer vorgestellt. Und mit See. Irgendwie fand ich, dass das Tessin, das ich bisher immer mit Sonne (hatten wir), gutem Essen (ja, das auch) und eben auch Seen verbunden habe, das doch da nun auch ein Stück Wasser hingehören sollte. Aber ja, Bellinzona ist nicht Lugano und auch nicht Locarno. Auch schienen mir die ganzen Touristen anderswo zu sein. Und auch die Einheimischen (vielleicht eben alle am See in Locarno oder Lugano) ;-). Bellinzona habe ich als sehr ruhig und beschaulich empfunden (also irgendwie hat mir auch das südländische Temperament etwas gefehlt..). So, genug gemeckert. Jetzt zum wirklichen Bellinzona, und nicht dem aus meiner bisherigen Vorstellung;
Italienischkenntnisse von Vorteil
Für einmal kämpfen wir nicht mit unseren Französischkenntnissen, nein, im Tessin gilt es, die kläglichen paar Brocken Italienisch hervorzukramen.
Sarah begleitet mich eine Woche, um sowohl das Tessin sowie auch das Bündnerland zu erkunden. Mit Sarah habe ich schon viele tolle Reisen erlebt und freue mich, Sie auf meiner Kantonstour dabei zu haben 🙂 Mit ihr gibt es immer was zu lachen, und sei es schon nur beim Kaffee bestellen… bei der Ankunft in Bellinzona lernen wir bereits; ein Latte Fredo hat nichts mit einem Kaffee zu tun 🙂

Ankunft
Wir kommen am Samstag in Bellinzona an, angereist per Zug durchs schöne Centovalli und leider knapp den Wochenmarkt von Bellinzona verpasst, welcher sehr schön sein soll.
Nach unserem Hotelbezug brauchen wir erstmals was zu essen. Leider haben aufgrund der aktuellen Sommerferien sehr viele Restaurants geschlossen, aber wir werden trotzdem fündig 🙂

Stadt der drei Burgen
„Bellinzona (dt. Bellenz) liegt an einer strategischen Talenge am Zugang zu den Alpenpässen Gotthard, San Bernardino und Lukmanier. Die Stadt ist gleichzeitig für den Norden Tor nach Italien und für den Süden Schlüssel zu den Alpen. „
In und oberhalb von Bellinzona ragen 3 mittelalterliche Burgen stolz empor. Diese wunderschönen Burganlagen gehören allesamt zum UNESCO-Welterbe und sind die Wahrzeichen der Stadt. Also unbedingt besuchen. Das Castelgrande liegt sogar inmitten der Altstadt und ist wahnsinnig imposant. Hier lässt es sich gut flanieren, im Schatten eines Baumes ausruhen oder was leckeres Essen im Restaurant der Burg mit fantastischer Aussicht auf die beiden anderen Burganlagen


Artù erklimmt alle Hügel!
Man kann die Burgen zu Fuss besichtigen, allerdings befinden sich alle drei auf Hügeln und bei grosser Sommerhitze kann das eine anstrengende Unternehmung werden. Wir haben uns von daher für die gemütliche Alternative entschieden und uns von Artù fahren lassen.. 🙂 Artù startet mehrmals täglich auf der Piazza Collegiata und kämpft sich tapfer zum Preis von CHF 12.- die Hügel hoch;

Fantastischer Aus- und Weitblick
Wir tuckern zuerst hinauf zum höher gelegenen Castello di Sasso Corbaro und blicken über Bellinzona, weiter über die Magadinoebene bis nach Tenero.
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Ausblick über Bellinzona über die Magadinoebene bis zum Lago Maggiore
Dann gehts wieder etwas runter zum Castello di Montebello. Beide sehr eindrucksvoll und man könnte sich hier sicherlich ewigs beschäftigen. Aber ja, wir sind in einem wahnsinnig heissen Sommer unterwegs und deshalb passt unserer Devise „entschleunigen“. Wir wandern also heute nicht.
Ausruhen und wieder entschleunigen
Nach dieser kleinen Ausfahrt und da es eh etwas heiss und die Stadt ziemlich leer ist, beschliessen wir, einfach weiter nicht zu viel zu tun. So nehmen wir zumindest noch zu Fuss den Aufstieg von der Piazza Collegiata rauf zum Castelgrande in Angriff und staunen nicht schlecht ab dem geschäftigeren Treiben da oben. Überall Musikinstrumente und Bühnenbauer. Heute Abend spielt Gotthard. Alles klar. Ich wusste gar nicht, das es die noch gibt. Ich habe mir in meinen Jugendjahren die ersten beiden CD’s also auch gekauft und könnte noch jedes Lied mitsingen ;-). Aber CHF 70.- sind uns Gotthard dann doch nicht wert. Aber trotzdem, spannend zum zuschauen.
Auf dem Castelgrande hat es ein tolles Restaurant mit wunderbarer Terrasse und fantastischem Ausblick über die Altstadt und Hügel von Bellinzona. Ein leichtes Mittagessen mit gutgelaunten Kellner runden den Besuch ab.
Danach kann man kurz über den Barfussweg laufen, der- obschon nicht sonderlich gross- sogar mit einer eigenen Broschüre beworben wird 🙂 Und nach soviel Anstrengung am besten unter einen Baum liegen und etwas „entschleunigen“…

Und was man beim Herumschlendern und Nichtstun noch so entdecken kann
Die Kirche SS. Pietro e Stefano prägt die Piazza Collegiata und ist einen Besuch wert. Davor gibt’s eine Reihe „Sitz-Bänkli“ auf denen man danach sehr gut mit einem Gelati von der Gelateria gleich nebenan dem Treiben der Stadt zuschauen kann. So wie’s ausgesehen hat eine sehr beliebte Freitzeitbeschäftigung. Die hat uns auch gefallen 🙂
Fast am Verhungern im Tessin..
Tja, kann das sein? Ja, das geht also. Wir suchen uns ein Restaurant zum Nachtessen aus, in welchem die Pizzas wirklich fantastisch sein sollen. Einfach die Wartezeiten seien wohl etwas länger. Macht ja nichts, wir sind früh dran und die Terrasse ist noch beinahe leer.
Nach 5 Minuten füllt sich die Terrasse und wir überdauern tatsächlich die längste Wartezeit meines Lebens auf eine Pizza, einfach auch aus dem Grund, weil die Pizzas wirklich extrem gut aussehen, wir eine fantastische Aussicht aufs Castelgrande haben und auch befürchten, es könne woanders genau so lange dauern.. Gelernt; nicht hungrig in Restaurants gehen die schon den Ruf haben, es könne lange dauern.


Gratiskonzert zum Abschied
Beim Retourflanieren zum Hotel merken wir, dass auf der Piazza Collegiata nun ziemlich was los ist. Das Konzert von Gotthard hört man hier dank den Echos und wohl der hohen Kirche fantastisch. In Bellinzona kann man also noch gratis Konzerte besuchen. Wunderbar 🙂 Und Adieu Bellinzona.
