St. Gallen

.. oder für Openairbesucher besser bekannt als „Schlammgallen“…

St. Gallen kenne ich nur vom Openair St. Gallen. Genauer von dem legendären Openair „Schlammgallen“ im Jahr 2013, bei welchem sogar die Gummistiefel in der ganzen Stadt ausverkauft waren, was scheinbar soviel Nachrichtenwert hatte, dass es in der Tagesschau kam :-). Clever wie wir waren haben wir uns bereits noch zu Hause mit coolen roten Dingern eingedeckt. Zum Glück! In diesem Zusammenhang gratuliere ich mir noch heute, dass wir uns damals gegen Campieren entschieden haben. Und als Alternative dazu in einem schmucken 4-Stern Hotel nächtigten :-). Noch nie habe ich so viel Dreck auf einem Haufen gesehen, so viel Schlamm, dass sogar die Decken und Wände der Shuttel-Buse vom Sittertobel in die Stadt vollgesaut waren. Ob man das je wieder sauber gekriegt hat? Aber mehr habe ich damals von der Stadt nicht gesehen und hatte deshalb bisher auch keine Ahnung, wie unglaublich schön und vielseitig sie doch ist!

St. Gallen 7 (1)
Der wunderschöne Gallus-Platz im Abendlicht
St. Gallen 12 (1)
Ebenfalls Blick aus der anderen Richtung auf den Gallus-Platz, Eingangs Klosterviertel

Die HSG St. Gallen war mir noch ein Begriff und dann habe ich auch einmal Bilder des roten Platzes von Pipilotti Rist gesehen, hätte aber nicht sagen können, dass dieser in St. Gallen ist.

Da sieht man nur noch rot!

Hier ein paar Bilder der „Stadtlounge“. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob da wirklich ein echtes Auto eingegossen wurde… Den Platz muss man fast „begangen“ haben. Die echte Wirkung kommt erst dann zur Geltung;

St. Gallen 40 (1)
Die Stadt-Lounge, oder auch der Rote Platz genannt. Kunstinstallation nach Konzept von Pipilotti Rist und Carlos Martinez. Die Kugeln symbolisieren schwebende Lichtkörper.
St. Gallen 38 (1)
Das Projekt wurde im Jahre 2005 realisiert und durch die Raiffeisenbank finanziert.
St. Gallen 37 (1)
Ob darunter wohl ein echtes Auto „begraben“ wurde?

Hügeliges St. Gallen, die „Stägestadt“ der Schweiz

St. Gallen liegt eingebetet in zwei Hügel. Man nennt sie auch „Stägestadt“, denn es gibt wirklich viele Treppen! Und es lohnt sich, die eine oder andere zu erklimmen, bieten sich doch grandiose Ausblicke über das wunderschöne St. Gallen.

St.Gallen 1 (1)
Treppe hoch und schon geniesst man einen tollen Ausblick auf den Stiftsbezirk

Der Stiftsbezirk…

… und ich habe tatsächlich noch nie etwas davon gehört! Das Wahrzeichen der Stadt St. Gallen ist der Stiftsbezirk mit der barocken Kathedrale und der Stiftsbibliothek, in welcher sich der wohl schönste Rokokosaal der Schweiz befindet. Natürlich – und das glaubt man sofort, wenn man davor steht- ist das Ganze ein UNESCO Weltkulturerbe.

Name und Entstehung der Stadt gehen zurück auf eine Klostergründung durch den irischen Wandermönch Gallus um das Jahr 612. Stiftsbezirk heisst es übrigens, weil Grund und Boden eben „gestiftet“ wurden.

Dies alles haben wir bei der Bibliotheksführung erfahren. Ja, da denkt man vielleicht einfach nur Gähn! Etwas langweiligeres kann es ja wohl nicht geben… Wir haben es trotzdem gewagt (ja, auch Mark hat sich von mit „mitreissen“ lassen…. 😉 und waren positiv überrascht..

Im Eintrittspreis von CHF 14.- ist die Führung mitdrin. Und tolle Filzpantoffeln, ohne die man nicht in den alterwürdigen Saal eingelassen wird. Witzig dabei; die Pantoffeln fungieren gleichzeitig auch als Zählsystem, wie viele Leute reingelassen werden dürfen. Sind alle Pantoffeln weg, darf man erst rein, wenn jemand wieder den Saal verlässt und seine Filzfinken abgibt.

Eine Führung durch die Zeit – Bilderlos

Gut, zurück zur Führung. Man muss die natürlich nicht machen und kann auch alleine durch den wunderschönen Bibliothekssaal mit den vielen Handschriften und sogar einer MUMIE (!) in seinen Filzpantoffeln flitzen, aber so richtig wird dann der Funke eher nicht überspringen. Die Bibliothekarin hat uns mit einer solchen Begeisterung, Hingabe und leuchtenden Augen von ihren 1000 Jahre alten Büchern, der Sonderausstellung und der Geschichte rund um die Entstehung der Bibliothek erzählt, das man einfach nicht anders konnte, als es eindrücklich zu finden!

Anbei, was hängengeblieben ist;

  • Bücher waren wahnsinnig kostbar! Das wusste ich zwar, aber bewusst ist es mir erst jetzt geworden, und zwar darum; Pergament besteht aus der Haut von Kälbern (das wusste ich eigentlich auch noch, aber jetzt kommts..). Pro Tier konnte man ca. 4 Seiten Pergament gewinnen! Man stelle sich also vor, dass für ein Buch von z. Bsp. 120-140 Seiten rund 30 Tiere ihr Leben lassen mussten! Wenn man bedenkt, wie kostbar schon nur ein einziges Tier zu der damaligen Zeit war.. Einfach unglaublich.
  • Teilweise sieht man Löcher im Pergament. Dies sind keine Zeichen der Zeit, sondern die Löcher konnten bei der aufwändigen Herstellung von Pergament entstehen. Dieses war aber viel zu wertvoll, um wegen so eines „Fehlers“ nicht verwendet zu werden.
  • Die Bibliothek hat in den Seitenwänden überall versteckte „Inhaltsverzeichnisse“
  • Die Stiftsbibliothek in St. Gallen ist einer der grössten und ältesten Klosterbibliotheken der Welt.
  • Ja, es gibt leider keine Bilder davon, denn fotografieren ist hier aufgrund der heiklen Bücher nicht erlaubt. Hier sind aber Bilder von der Stiftsbibliothek

Und ein paar vom Stiftsbezirk selber. Sehr eindrücklich, wenn man live davor steht!

Und natürlich darf die Innenansicht auch nicht fehlen;

Kirche mit Aussicht..

Und wenn wir schon bei Kirchen sind; Gleich daneben steht auch noch die Kirche St. Laurenzen. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass man den Turm besteigen kann und eine atemberaubende Aussicht über die Stadt geniessen kann.. Tja, für einmal verpasst ;-(

Die St. Galler Bratwurst..

mit oder ohne Senf, das ist hier die Frage! Es heisst, es sei eine Katastrophe, wenn man eine St. Galler Bratwurst mit Senf bestellt. Man spricht sogar von einem „Senfgraben“;

„Der Senfgraben

Der Griff zur Senftube oder gar zur Ketchupflasche ist in St.Gallen tabu und wird von kulinarisch rückständig bis hin zu ehrverletzend eingestuft. Das Argument: Eine St.Galler Bratwurst ist so fein, dass jegliche Geschmacksverzerrung unnötig ist und den echten Genuss stört. „

Das Bratwurst-Experiment

Jetzt will ich’s aber wissen und wage das Experiment. Ich bin gespannt, ob ich gleich aus der Stadt gejagt und geächtet werde, wenn ich mich erdreiste, eine Bratwurst mit Senf zu bestellen… Die Verkäuferin beim gut besuchten Imbissstand versichert mir; „nein, nein! Das geht schon in Ordnung.“ Ok? So einfach habe ich mir das dann doch nicht vorgestellt. Ich erhalte ein schon beinahe obszön grosses „Dösli“ Senf inkl. erneutem „das geht schon in Ordnung“ der Verkäuferin mit auf den Weg. Hmm.. Ganz sicher bin ich mir meiner Sache noch nicht und setzte mich etwas provokativ mit gut sichtbarem Senf, Bratwurst und Bürli auf eine Bank und warte. Und nichts passiert. Kein vernichtender Kommentar, keine verächtlichen Seitenblicke und auch kein Naserümpfen der Vorbeiziehenen. Es schein niemanden zu interessieren, wie und womit ich meine Bratwurst esse. Und um ehrlich zu sein; obwohl ich Senf LIEBE, schmeck mir hier zu meinem Erstaunen die Bratwurst ohne Senf auch besser…!!!!

2018-08-24 22.32.02 (1)
Mit oder ohne Senf, das ist hier die Frage…

Was wir sonst noch so gesehen und erfahren haben;

  • St. Gallen ist bekannt für seine Stickerei – und Tetilkunst. So besteht zum Beispiel die „Haut“ des Auskunftsschalters in der Touriinfo aus einem 3D-Druck!
st-gallen-14-1.jpg
Textil Kunst aus dem 3D-Drucker. Der Empfangsschalter beim Tourismusbüro!
  • Stadt der Erker: Auch St. Gallen kann mit Schaffhausen Schritt halten. die Altstadt ist ebenso voller wunderschöner Erker wie Schaffhausen auch
  • Die Stadt steht zu Teilen auf sumpfigem Boden. Der Bahnhof beispielsweise wurde auf Eichenpfählen gebaut. Apropos Bahnhof: Auch an Kunst fehlt es hier nicht:
  • Und natürlich besticht auch St. Gallen mit einer wunderschönen Altstadt. Diese lässt sich, wie die meisten Altstädte, wunderbar zu Fuss besichtigen. Für einmal hat es leider nicht gepasst mit der öffentlichen Führung.
St. Gallen 24 (1)
Bekannt ist die Spisergasse für die Erker und das Spisertor

 

St. Gallen 28 (1)
Das Vadian-Denkmal. Er war St. Galler Reformator, Bürgermeister und Arzt. Die einzige Person in St. Gallen, die mit einem überlebensgrossen Denkmal geehrt wird.
St. Gallen 30 (1)
Haus zur Waage, welches Menschen von den fünf Kontinenten verkörpert
St. Gallen 25 (1)
Schlendern durch die Altstadt

Was ich ein nächstes Mal noch alles tun würde in St. Gallen

  • Mit der Mühlegggbahn zu den drei Weihern oberhalb der Stadt fahren und ins kühle Nass springen. Scheinbar gehören diese zu den schönsten Naturbädern der Schweiz!
  • In der Lokremise essen gehen!
  • Im Hotel Einstein übernachten. Insbesondere bei Tropennächten, denn hier hätten wir bestimmt eine Klimaanlage gehabt 🙂
  • Die „Probiererlitour“ machen, schon nur weil’s „härzig“ tönt
  • und zu guter letzt den St. Laurenzen Turm besteigen- wegen der tollen Aussicht

Gut St. Gallen, ich komme bestimmt wieder, es gibt noch viel zu sehen und zu erleben 🙂

Hinterlasse einen Kommentar