Appenzell

„Sönd wöllkomm!“ oder auch“Hoii!“

Im Kanton mit dem lustigsten Dialekt meiner Reise.. Und der erzwungenen Einführung des Frauenstimmrechtes..

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Appenzeller- Biberli, Quöllfrisch, die Flauderei und natürlich die Appenzeller Tracht! Und ein Ohrklipp im Ohr des Mannes.. Appenzell, der Hauptort des Kantons Appenzell Innerrhoden vermarktet sich gut. Was mir an Infos über Herisau zuweilen gefehlt hat, hat Appenzell dafür reichlich im Angebot. Hier sind wir nun also. Wiederum nur 15 Minuten von Herisau entfernt, kommen wir in ein Dorf wie aus dem Bilderbuch!

Degustieren was das Zeug hält

Und praktischwerweise fahren wir Dorfeingangs auch gleich bei der berühmten Quöllfrisch- Brauerei vorbei, bei welcher eine Degustation nicht fehlen darf und man sich für die kommenden Abenteuer stärken kann;

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Beim kostenlosen Rundgang für die Touristen erfahren wir alles mögliche über den Brauereiprozess

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Die guten Zutaten fürs Quöllfrisch-Bier
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Und womit man sonst noch alles aromatisieren kann
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Nur zu Austellungszwecken; Die Braukessel

und wir staunen nicht schlecht, was Quöllfrisch neben Bier auch sonst noch so alles herstellt; Vom Whiskey über „Frauen- Bier“ ist schon beinahe alles dabei. Nur der Gin fehlt noch.

Wie ein Einheimischer

Appenzell ist einfach mordsmässig härzig! Ein Haus schöner als das andere, mehr oder weniger komplett autofrei und es lädt zum Spazieren, Einkehren, Lädele und Verweilen ein. Hier kann man sehr gut einfach nur „rumschlendern“ oder sich auch versuchsweise irgendwo hinhocken. Dabei wird man garantiert von jedem zweiten Einheimischen als Einheimischer „eingeschätzt“ und mit einem fröhlichen „Hoiiiii“ gegrüsst.

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Die Flauderei in Appenzell. Hier geht bestimmt niemand mit leeren Händen wieder raus 🙂

Einmal durchs Dorf essen

In Appenzell kommt man kulinarisch wirklich auf seine Kosten und man kann sich einmal durchs Dorf essen. Es gibt viele lecker Spezialitäten zum Probieren. Auch der bekannte Kräuterschnaps „Appenzeller“ wird hier produziert. Und beim Nachtessen hat man die Qual der Wahl. Mir hat ein Käsekuchen mit dem leckeren Appenzeller- Käse sehr gemundet.

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Jamm! Leckerer Käsekuchen mit Original Appenzeller-Käse

Und zum Dessert wurde mir extra die „Bäckerei-Theke“ nochmals geöffnet, damit ich die Landsgemeinde- Spezialität testen konnte, das Landsgmeend-Chrempfli.

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Eine Haselnussfüllung bildet den Kern dieses weichen «Chröms», das mit einer Prise Anis versehen ist. Die Chrempfli werden auf der Vorderseite des hellen, fast weissen Teiges mit einem schönen Blumenrelief verziert; nach traditionellem Familienrezept von Hand.

Der Dorfrundgang- Im Appenzell kostenlos!

Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Die Dorfführungen finden regelmässig statt und man wird kompetent während einer Stunde durchs schmucke Dörfli mit den wunderschönen Häusern geführt. Dazu gibt’s auch noch eine härzige „Sage“;

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Die Sage vom Riesen und den Appenzeller Häuschen

Dies und das übers Appenzell

  • Appenzell Innerrhoden ist der kleinste Kanton der Schweiz, mit ca. 16’000 Einwohnern. Und man kennt hier einander.
  • Appenzell Innerrhoden ist im Gegensatz zu Appenzell Ausserrhoden katholisch geblieben. Aufgrund der Reformation hat sich die Trennung mit Bildung der beiden Halbkantone ergeben.
  • Roman Signer ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Kantons. Der Aktionskünstler hat einige interessante Kunstwerke hinterlassen, so zum Beispiel auch der Stuhl und Tisch, welche an der Sitter stehen und grundsätzlich zum Verweilen einladen. Blöd nur, dass sie alle paar Minuten kippen, da sie sich mit Wasser füllen und sich, bei genügend Wasserstand, „aufbäumen“. Ebenfalls wollte er von seinem Heimatkanton bis zu seinem Wohnkanton eine „Zündschnur“ abbrennen lassen, dem Bahntrasse entlang. In Gais wurde diese von den Anwohnern aber bereits gelöscht, da man nicht ganz verstanden hat, was dies sollte.. 🙂 Appenzell 14 (1)
  • Eine schmucke Festtagstracht kostet neu zwischen CHF 15’000.- bis CHF 20’000.-
  • Es gibt noch extrem viel Handwerk und Brauchtum in Appenzell, zu viel, um hier alles aufzuzählen
  • Die Aufstellung beim traditionellen Alpaufzug ist hierarchisch streng geregelt
  • In Appenzell bemalt noch jeder sein Haus, die meisten davon sind als erhaltenswert eingestuft, was für die Besitzer nicht immer nur ein Vorteil und mit hohen Kosten verbunden ist

 

Und eines der wohl schönsten Häuser in Appenzell ist das Haus der Löwendrogerie. Dieses steht mitten im Dorf in der „Hauptstrasse“

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Das Haus der „Löwen-Drogerie“ In Appenzell

Der lange und steinige Weg zum Frauenstimmrecht..

Und dann gibt es hier natürlich noch die bekannte Landsgemeinde. Und wie wir alle wissen, war Appenzell Innerrhoden der letzte Kanton, bei welchem das Stimmrecht für Frauen eingeführt wurde. Und dies auch nur, weil 1990 ein Machtwort, respektive ein Bundesgerichtentscheid notwendig war, um auch Appenzell Innerrhoden in die Moderne zu führen..

„Nur die beiden Halbkantone Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden weigerten sich noch jahrzehntelang, auf kantonaler und Gemeindeebene nachzuziehen. In den 1980-er Jahren nahm der Druck der öffentlichen Meinung auf die Appenzeller stetig zu. Die Männer in Appenzell Ausserrhoden ergriffen 1989 die letzte Chance, den längst überfälligen Schritt zu vollziehen. Doch in Appenzell Innerrhoden tat sich immer noch nichts.“

Und da habe ich doch noch einen etwas ernüchternden Beitrag im 20 Minuten gefunden..

https://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Wir-Appenzeller-wuerden-das-heute-noch-ablehnen–26433038?httpredirect

Sogar Afgahnistan hat das Frauenstimmrecht vor der Schweiz eingeführt, nämlich 1963. Fairerweise muss man dazu sagen, dass es 1996-2001 unter den Taliban wieder zurückgenommen wurde..

Trotz des noch sehr grossen Traditionsbewusstseins sind mir die Frauen aber ziemlich durchsetzungsfähig und stolz vorgekommen. Ich vermute einfach mal, dass sie vor der Einführung des Frauenstimmrechtes einfach auf anderer Ebene den Ton angegeben haben 🙂

Die Landsgemeinde und das Bajonett als Stimmausweis..

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Der bekannte Landsgemeindeplatz

Wie wir auf der Führung von unserer weiblichen Begleiterin erfahren, ist die Landsgemeinde wirklich DAS Ereignis in Appenzell Innerrhoden und kann auch mal ganz schön anstrengend werden, wenn man bei Wind und Regen oder auch brennender Sonne zuweilen mehrer Stunden auf dem Platz eingekesselt „verharren“ muss. Geduld und etwas Durchhaltevermögen sind also auch gefragt. Und lustig; Die Frauen haben einen Stimmzettel vorzuweisen, während die Männer noch immer ihr Bajonett mitbringen dürfen anstelle eines Stimmausweises 🙂

Und was habe ich gelernt?

In Appenzell kann man definitiv nicht nur wandern.. 🙂

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