Die schönste Flussfahrt der Schweiz
Solothurn kann man sich für einmal ganz gemächlich nähern. Nämlich auf dem Wasserweg. Dahinschwebend auf der „wohl schönsten Flussfahrt der Schweiz“ 🙂 Infos dazu unter Aare Fahrt Biel-Solothurn.
Man sollte schon etwas Zeit und Musse für so ein Vorhaben mitbringen. Und natürlich Freude am Schiff-/Bootfahren. Denn die Fahrt von Biel nach Solothurn dauert rund 3 Stunden. Ich erfülle all die Kriterien, das Wetter passt und mein GA will noch ein wenig ausgekostet werden. Ich bin also die perfekte Kandidatin für die Flussfahrt. Und stelle mir das Ganze ein wenig Missisippi-mässig vor. Einfach ohne Raddampfer.
Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Um 09.00 Uhr morgens, mitten in der Woche und ausserhalb der Ferienzeit bin ich nicht alleine an der Schiffländte in Biel. Ob wohl alle Passagiere auf dem kleinen Bötli Platz finden? Typisch schweizerisch bin ich schon ein wenig nervös, möchte ich doch unbedingt einen super Platz ergattern. 1. Klasse gibt’s in dem Sinn nicht, also keine „besseren Plätze“ für Mehrbezahler.

„Durchschleusen“ nach Büren an der Aare
Die Zeit auf dem Boot kann man sich durchaus versüssen, zum Beispiel mit Frühstücken. Oder einfach mal treiben lassen und sich im „Nichts-Tun“ üben. Gar nicht so einfach. Denn schon wenige Minuten nach dem Einschwenken in die Aare steht das erste Highlight bevor, die Schleusenfahrt bei Port. Das Boot wird innert kürzester Zeit um mehrere Meter abgesenkt. Eine ziemlich imposante Sache. Und schon tuckern wir gemütlich weiter, vorbei am wunderhärzigen Büren an der Aare. Am liebsten würde ich hier auch kurz aussteigen und einen Rundgang machen. Aber ich habe noch viel vor heute.


Gahhhh!!! Die liebe Technik
Was ist den jetzt los? Vor lauter „Entschleunigung“ scheint mein Handy heute Ruhetag einzulegen. Obschon frisch aufgeladen lässt mich mein Akku langsam aber sicher im Stich, sogar der Ultra-Energiesparmodus wird gefliessentlich ignoriert. Bildmaterial gibt es also für heute einmal nur sehr reduziert! Dafür habe ich aber etwas bewusster im Zeugs herumgeknipst. Und wie heisst es so schön; Sehen tut man bekanntlich mit den Augen… Und nicht durch die Linse der Kamera. Trotzdem!.. Durch Aufregen vergehen die 3 Stunden wie im Flug… , eine andere Art der Freizeitbeschäftigung 😉
Die Strecke ab Büren bis Solothurn gehört zu meinen Highlights und ist einfach wunderschön! Eine reiche Tierwelt zieht vorbei und das Gelände öffnet sich immer mehr, ein richtiges Flussdelta tut sich vor uns auf. Und Solothurn ist zum Greifen nah..

Willkommen in der schönsten Barockstadt der Schweiz!
Solothurn gilt als die schönste Barockstadt der Schweiz und und so erstaunt es nicht, dass beim Anleger in Solothurn bereits unzählige Besucher Schlange stehen, um in die Stadt „einzufallen“.

Kulinarisches- Mittagessen mit Aussicht
Mein Tipp; Sofort die Brücke überqueren Richtung Altstadt und einen der letzen Tische im Restaurant Salzhaus, direkt an der Aare ergattern. Mein Boot kommt pünktlich um 11.55 an, flugs habe ich alle anderen Passagiere überholt und zack, einer der letzten Plätze im Salzhaus gesichert. Da ich Solothurn bereits etwas kenne kämpfe ich für einmal nicht mit der Orientierung! Hach, eine gänzlich neue Erfahrung für mich:-) Als Stärkung nach der Bootstour und vor dem bevorstehenden Sightseeing gönne ich mir ein 3- Gang Menue für CHF 30.-, das jeden einzelnen Franken wert ist! Jamm!


Ab in luftige Höhen
Vor meiner geführten Stadtbesichtigung um 14.30 bleibt mir noch genügend Zeit um die St. Ursen Kathedrale zu erklimmen. Die Kathedrale ist eine Augenweide, leuchtet bereits von Weitem in ihrem schönen Jurakalch-Kleid vom Weissenstein den Besuchern entgegen. Nachdem man die über 240 Stufen erklommen hat bietet sich einmal mehr ein fantastischer Ausblick über die Altstadt und weit darüber hinaus.

Auf der Kathedrale erwartet mich ein Herr, der hier einen geschützten Arbeitsplatz bekleidet und mir mit sehr viel Begeisterung und Kenntnis das Umland rund um die Kathedrale erklärt. Zahlen tut man einen kleinen Beitrag von CHF 5.-, direkt nachdem man die Stufen erklommen hat. Ganz ehrlich? Nach dem Atemraubenden aufstieg wird wohl keiner mehr umkehren, weil er die 5.- Stutz nicht entrichten möchte.. 😉



Stadtführung in der Ambassadorenstadt!
Wie immer; Stadtführungen lohnen sich einfach! Nie lernt man in so kurzer Zeit so viel und vielfältiges über einen Ort. Und das Ganze erst noch zu kostengünstigen CHF 10. Solothurn bietet viele tolle Führungen an. Infos dazu hier.
Solthurn ist eine Ambassadorenstadt! (eine was?..)
Hm… Beim Wort Ambassador erscheint vor meinem geistigen Auge einzig die gleichnamige Schokolade von Cailler. Dank unserer Stadtführerin lerne nun auch ich, dass es sich dabei um etwas anderes handelt; Der französische Botschafter (Ambassador) residierte in früheren Zeit in Solothurn, daher rührt der Name.
Eine Stadt von Kriegern
Die Solothurner zogen aus, um in verschiednen Kriegen für diverse Länder zu kämpfen. Dafür wurden diese meist reichlich entschädigt und mit dem heimgekehrten Sold wurde Solothurn wohlhabend.
Brandstifter und die Zahl 11
Die Zahl 11 ist in Solothurn allgegenwärtig. Wer einmal dort war, begegnet ihr auf Schritt und Tritt. Wenn man etwas zu Solothurn wissen muss, dann eben dies mit der Zahl 11. So gibt es genau 3x 11 Treppen, die zur St. Ursen Kathedrale hinaufführen, 11 historische Brunnen, 11 Kirchen und Kapellen und eben insbesondere bei und in der St. Ursen Kathedrale zieht sich die Zahl 11 durch. Und wieso das ganze? Der Architekt der Kathedrale ist schuld. Ein Italiener, der dies einfach witzig fand. Den Solothurnern gefiel die Idee so gut, dass sie seither diese Spielerei in ihren Alltag integriert haben.
Bei der Stadtführung erfahren wir zudem, dass vor ein paar Jahren ein Feuere in der St. Ursen Kathedrale wütete. Der damalige Holzaltar fiel einer Brandstiftung anheim. Der Schulkollege des verwirrten Täters war mit auf meiner Stadtführung und meinte nur, früher sei das „ein ganz guter Typ“ gewesen. Die Kirche mussten während 2 Jahren gereinigt werden, erstaunlicherweise überlebten die ganzen Originalmalereien.
Was Solothurn mit Honoloulu zu tun hat..
Solothurner sind leidenschaftliche Fasnächtler. Und diese beginnt nicht etwa am 11.11…, sonern jeweils am 13.01. und ist eine Riesensache.
Und sonst so?

Must have!!!!!
Kein „echter, ernsthafter“ Tourist darf Solothurn verlassen, ohne nicht vorher ein Stück der super leckeren Hüft-unfreundlichen Solothurner- Torte gegessen zu haben! Yammi!
Solothurn, ich komme wieder! Mit aufgeladener Kamera und viel viel Zeit, um mich mit allen anderen auch noch in der Aare treiben zu lassen (ja, die Aare ist beliebt 🙂

Tschüss Solothurn!
